Caritasverband verstärkt Austausch mit der Politik
Carolina Trautner (CSU) im Gespräch zu Finanzierung, Prävention und Pflege
Augsburg, 06. März 2026 (PCA). In den anhaltenden Debatten über Spardruck und Reformen des Sozialstaats rückt immer wieder auch die Finanzierung sozialer Arbeit in den Fokus. Um Einschnitte an falscher Stelle zu verhindern, sucht der Caritasverband für die Diözese Augsburg verstärkt das Gespräch mit politischen Entscheidungsträgern, so jüngst mit Sozialexpertin Carolina Trautner, der Schwabensprecherin der CSU-Abgeordneten im Bayerischen Landtag. "Verlässliche Strukturen für die Menschen in Schwaben werden nur bestehen können, wenn Politik und Sozialverbände gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Caritas trägt mit dem, was sie täglich leistet, wesentlich zum sozialen Frieden bei", unterstreicht Markus Müller, Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Augsburg. Denn: Mit den über 30.000 Mitarbeitenden in der Diözese leistet die Caritas einen immensen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beitrag. Müller: "Müssten wir unsere sozialen und therapeutischen Dienste einstellen, dann würde der Staat kollabieren."
Beim Besuch im Caritashaus zeigte die ehemalige Staatsministerin Trautner, die sich zudem ehrenamtlich als Vorsitzende der Lebenshilfe engagiert, großes Interesse an den aktuellen Herausforderungen und Projekten. Caritasdirektor Müller sowie die Bereichsleitungen Soziales, Verena Rauch und Barbara Habermann, nutzten das Gespräch, um konkrete Themen und strukturelle Bedarfe zu adressieren.
Zentrale Themen: Digitale Suchtprävention, Medizinalcannabis, Leistungen im Bereich Behindertenhilfe und innovative Beratungsangebote
Im Austausch standen Entwicklungen im Mittelpunkt, die die soziale Arbeit der Caritas zunehmend prägen:
- das wachsende Suchtverhalten im Netz,
- Drogendeals über Plattformen wie TikTok oder Kleinanzeigen,
- Herausforderungen im Umgang mit Medizinalcannabis
- hohe Selbstmordraten bei Jugendlichen
Besonderes Interesse zeigte Trautner an der mobilen Beratung des Drogenprojekts "Talkinn" in Kempten und dem Projekt Digital Streetwork, die neue Wege der Ansprache junger Menschen eröffnen. Die Caritas warnt zudem vor einem Anstieg beim Thema Suizid bei Jugendlichen - hier gibt es bisher keine Hilfsangebote. Deswegen hat der Augsburger Verband Interesse, das Suizidpräventionsprojekt "U25" bei auskömmlicher Finanzierung umzusetzen. Trautner signalisierte, den Wunsch nach Unterstützung bei der Co-Finanzierung zu unterstützen.
Pflege im ländlichen Raum und Eingliederungshilfe im Fokus
Verena Rauch, Caritas-Expertin für Pflege und Teilhabe, betonte die Bedeutung der kirchlichen Sozialstationen, die einen "gemeinwohlorientierten Grundpfeiler" in der ambulanten Pflege darstellen. Diese übernehmen oftmals Aufgaben im ländlichen Raum, die aus Kostengründen sonst niemand mehr abdecken kann und will. Sie warnte zudem vor Kürzungen in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung. Rauch machte deutlich, dass Einsparungen in diesem Bereich direkte Auswirkungen auf die Lebensqualität vieler Menschen hätten. Die aktuellen Pläne könnten sogar dazu führen, dass Angebote eingestellt werden und die Betreuung komplett zuhause von der Familie geleistet werden müsse - mit beachtlichen Folgen für alle. Carolina Trautner will sich hier einsetzen: "Teilhabe ist kein Privileg sondern ein Menschenrecht, für das ich mich stark mache."
Bürokratieabbau, Digitalisierung und fachliche Innovationen
Statt pauschal zu sparen, gelte es, über neue Lösungsansätze nachzudenken. Die Caritas-Experten skizzierten zum Beispiel konkrete Wege zu Bürokratieabbau und mehr Digitalisierung, um Fachkräfte zu entlasten und Ressourcen effizienter einzusetzen. Innovative Ansätze wie das "Carikom"-Projekt der Caritas, das den Zugriff auf digitale Technologien für eingeschränkte Menschen erleichtert und sie aktiv an der digitalen Gesellschaft teilnehmen lässt, zeigten, wie moderne soziale Arbeit gestaltet werden kann.