Osteuropa-Hilfsaktion, Caritas und Bukowina-Institut luden zu einem besonderen Einblick in die Ukraine von heute und morgen ein
Augsburg, 08.05.2026 (pca). Im Leben gibt es nur wenige Begegnungen, die mehr Eindruck hinterlassen als das Gespräch, zu dem Renovabis, das Osteuropa-Hilfswerk der katholischen Kirche, der Caritasverband für die Diözese Augsburg und das Bukowina-Institut in Augsburg eingeladen haben. Zwei junge Frauen sprachen über ihre zwei Leben, geprägt vom Krieg, dessen Zerstörungskraft und dessen seelische Gewalt über Menschen zur Sprache, Leben voller Hoffnung auf Frieden und dem ständig präsenten Krieg. Sachlich, voller Mut und doch nicht ohne Schmerzen.
Das Referat Weltkirche der Diözese Augsburg hatte die drei Veranstalter zusammengebracht. Renovabis eröffnet in diesen Tagen seine Pfingstaktion für ganz Deutschland im Bistum Augsburg. Das Motto lautet "zusammen wachsen -damit Europa menschlich bleibt". Dazu hatte Renovabis die ukrainische Studentin Anna Sobolevska aus Lemberg eingeladen. Mit ihr sprach am Podium Anna Omlechuk aus Cherson, die 2022 nach Deutschland geflüchtet war und seitdem hier ihr zweites Leben in Deutschland aufbaut.Die Ukrainerin und Augsburger Privatdozentin für Pädagogik Dr. habil. Tetyana Hoggan-Kloubert moderierte und übersetzte das Gespräch für das Publikum in sehr kluger Weise, so dass das Gespräch immer am Ziel festhielt: Zu informieren und um Interesse zu wecken. .
Anna Soboleska ist erst 19 Jahre. Und doch wusste sie mit der Klarheit einer erfahrenen Politikerin ein Programm für ihre Heimatgesellschaft und letztlich auch Europa aufzuzeigen, wie man eine Gesellschaft aufbaut, sie gemeinsam wachsen und Stärke gewinnen kann, damit Staat und Gesellschaft miteinander Freiheit, Demokratie, Solidarität und Gerechtigkeit entfalten können.
Anna Sobolevska hält die drei Grundprinzipien ihrer Universität in Lemberg hoch: "Bezeugen, dienen, und miteinander im Gespräch bleiben". So engagiert sie sich mit vielen anderen Studierenden freiwillig. Im Krieg könne man erfrieren, stehenbleiben, wegrennen oder - und dafür entschied sie sich - widerstehen. "Ich kann nur tuend überleben, ich muss mich engagieren, um mental gesund bleiben zu können". Die ständigen Luftangriffe, Alarme, nähren nur ein "Gefühl der Verzweiflung". Sich gemeinsam mit anderen für andere zu engagieren, "verwandelt die Verzweiflung in etwas Konstruktives und führt so zur Verwandlung der Gesellschaft".
Was in der Ukraine derzeit passiert, ist - wenn man Anna Sobolevska zuhört - nicht der Krieg allein. Da wächst eine junge Gesellschaft heran, die sich den Einsatz für andere und die Gesellschaft auf die Fahne geschrieben hat. Auch unter Lebensgefahr, wenn sie gemeinsam mit einem Chor an die Front fährt, um für ihre Soldaten zu singen, sie für ihren Freiheitskampf zu ermutigen und Lebensmittel zu bringen.
So bestimmt Anna Sobolevska sprach, ihre Augen erzählten mitunter anderes. Da verbarg sich
Anna Sobolevska aus Lemberg (li.) und Anna Omlechuk aus Cherson und jetzt aus Augsburg (re.) öffneten Türen für ein besseres Verständnis für die Ukraine. Bernhard Gattner
Traurigkeit. Am besten verstand sie Anna Omlechuk, die andere junge Ukrainerin, die an diesem Abend bereit war, von ihrem Leben zu erzählen. Sie war 2022 aus Cherson geflüchtet, das damals schon von der russischen Armee besetzt worden war. "Die Zerstörung, die ständige Angst vor Angriffen, die Furcht verschleppt zu werden, machten mich kaputt." Sie entschied sich für die Flucht und kam schließlich nach Augsburg. Hier fand sie viel Unterstützung. Sie konnte studieren und steht kurz vor ihrem Abschluss. "Dennoch: es gab keine Zeit in den vergangenen vier Jahren, in der der Krieg nicht da war in meinem Leben. Der Krieg gehört zu unserer Identität."
Engagement ist auch für sie wie auch für Anna Sobolevska die einzig richtige Antwort auf den Krieg. Sie hilft anderen Ukrainern, vorwiegend Frauen und Kinder, in Sprachkursen und engagiert sich an der Universität für mehr Verständnis für die ukrainische Kultur und Geschichte. Sie betreibt "Kulturdiplomatie".
In ihrem Einsatz für eine bessere Zukunft sind sich die beiden Frauen einig. Sie beide bauen auf "Menschlichkeit", darauf, dass "Menschen Menschen helfen, wenn sie in Not sind", wie es Anna Omlechuk sagte.
Den Zuhörerinnen und Zuhörern im Bukowina-Institut tat sich an diesem Abend ein anderes Bild von der Ukraine auf. Das ist genau das, was Dr. Markus Ingenlath, Geschäftsführer von Renovabis, mit der Pfingstaktion erreichen will. Ein menschliches Europa entstehe durch Begegnung und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. "Es geht Renovabis mit seinen Hilfen für die Menschen in der Ukraine nicht nur um das Überleben im engeren Sinn. Es geht auch darum, gesellschaftlichen Zusammenhalt unter extremen Bedingungen zu bewahren, damit Menschen sich nicht verlieren - trotz Angst, Verlust und Unsicherheit."
Das gelinge am besten, so Dr. Wlossek von der Caritas, wenn man den Grundsatz der Caritas lebe, "aufeinander zuzugehen, zuzuhören neue Perspektiven einzunehmen und so einander besser verstehen zu lernen." Die Caritas hatte viele von den insgesamt 5.000 ukrainischen Flüchtlingen, die zurzeit in Augsburg leben, beraten und begleitet.
Verständnis füreinander zu entwickeln, das ist auch das Anliegen des Bukowina-Instituts an der
Sie warben für ein gemeinsames menschliches Europa (v.li.n.re.). Renovabis-Geschäftsführer Dr. Markus Ingenlath, Anna Soboleska, Anna Omlechuk, Thomas Müller-Boehr (ebenfalls von Renovabis), Dr. Isabella Wlossek von der Caritas und Dr. Tetyana Hoggan-Kloubert vom Augsburger Verein für Deutsch-Ukrainischen Dialog.Bernhard Gattner
Universität Augsburg. Wer sich für den anderen wirklich interessiere, "der überwindet die Polarisierung in unserer Gesellschaft", unterstrich Prof. Dr. Jana Osterkamp, die Geschäftsführerin des Instituts. So ereignete sich an diesem Abend, der bei einem ukrainischen Buffet seinen Fortgang fand, etwas was Dr. Ingenlath sich von Renovabis wünschte: "So können wir zusammenwachsen, untereinander